Frankfurter Rundschau:
»Die Mauer wurde überwunden, einfach so, weil in der logischen Folge eines von unten erzwungenen Umbaus der DDR sich die Mär vom existenzgarantierenden antifaschistischen Schutzwall in Luft aufgelöst hat, weil das SED-Regime die Bürger nicht mehr daran hindern kann, dorthin zu gehen, wohin sie wollen und können.«
Süddeutsche Zeitung:
»Über Deutschland weht der Mantel der Geschichte. Ein Teil der Nachkriegsordnung, verbunden mit dem kalten Krieg wie die NATO und der Warschauer Pakt, fällt allmählich auseinander; ein anderer Teil wie die Europäische Gemeinschaft gewinnt an Dynamik. Der Platz Deutschlands in der entstehenden neuen Ordnung ist noch undeutlich, aber die Geschichte entscheidet möglicherweise schneller über die deutsche Frage, als Gorbatschow noch vor kurzem annahm.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung:
»Den 9. November 1989 wird niemand mehr vergessen… Die Welt hat sich verändert. Die Nachkriegsgeschichte scheint beendet zu sein… Was jetzt geschieht, gibt es nicht umsonst.«
Independent (London):
»Es war nicht nur die Landschaft der europäischen Politik, die sich in der vergangenen Nacht plötzlich verändert hat. Es war der europäische Kosmos. Für die meisten heute lebenden Europäer hat die Welt immer an der ostdeutschen Grenze und der Mauer geendet: Auf der anderen Seite waren Dunkelheit und Dämonen. Die Öffnung der Grenze sagt nun, dass die Welt keinen Rand mehr hat. Europa ist wieder rund und ganz geworden.«
Le Figaro (Paris):
»Deutschland wird wieder ein Land mit 80 Millionen Menschen werden, bei weitem das leistungsfähigste und stärkste in Europa. Es wird der Hauptpartner Russlands werden…. Das Gleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland, das zu Beginn des europäischen Aufbaus geschaffen und das recht und schlecht beibehalten wurde, wird zerbrechen. Man wird ein anderes finden müssen.«
New York Times:
»Sie tanzten, weil der tragische Zyklus von Katastrophen, … zu dem zwei Weltkriege, der Holocaust und der Kalte Krieg gehörten, sich endlich dem Ende zu nähern scheint.«



