Lexikon

Hunger

subjektive Allgemeinempfindung, die bei Nahrungsmangel auftritt, aber auch unabhängig vom Ernährungszustand einsetzen kann und zur Nahrungsaufnahme veranlasst. Zentral gesteuert wird das Hungergefühl vom Hypothalamus, Hormone wie Insulin und Glucagon sind an der Entstehung von Hunger beteiligt. Durch entsprechende Nahrungsaufnahme geht Hunger in ein Sättigungsgefühl über. Länger andauernder Hunger infolge qualitativ minderwertiger oder zu geringer Nahrungszufuhr führt zu Mangel- bzw. Unterernährung (Marasmus, Kwashiorkor). Dabei vermindert der Körper zunächst den Grundumsatz und verbraucht seine Glykogenreserven. Sind diese erschöpft, wird die Körpersubstanz angegriffen. Es kommt zum vermehrten Abbau von Fett und schließlich zum Abbau von Strukturproteinen, z. B. in Form von Muskelmasse. Entkräftung und psychische Veränderungen sind die Folge; schließlich treten Gleichgültigkeit und nach einigen Wochen vollständigen Hungerns der Tod ein. Hungerödem.

Hunger in der Welt

In den Entwicklungsländern ist chronische Unterernährung besonders häufig anzutreffen. Hunger bemisst sich nach Berechnungen der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) statistisch anhand der Nahrungsmittelverfügbarkeit (Produktionsdaten, Einfuhr-, Ausfuhrdaten von Lebensmitteln) und einem angenommenen Mindestenergiebedarf (2400 Kalorien pro Tag). Weltweit sind rund 800 Mio. Menschen von Hunger betroffen, 500 Mio. in Ostasien, 200 Mio. in Afrika, 100 Mio im Nahen Osten, in Südamerika und der Karibik. Die meisten davon sind Kinder, Frauen und alte Menschen. Jährlich sterben etwa 20% von ihnen an den Folgen des Hungers. Als Ursachen für den Hunger in der Welt gelten vor allem Krieg, Armut und Probleme der Verteilung. Die FAO hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten 30 Jahren die Zahl der Hungernden auf die Hälfte des gegenwärtigen Standes zu verringern. Ein Aktionsplan sieht für eine Verbesserung der Weltlandwirtschaft folgende Punkte vor: Produktionssteigerung, Umweltschonung und Sicherung der Sozialverträglichkeit (gerechte Verteilung fruchtbaren Bodens, gerechte und effektive Verteilung der Nahrungsmittel); dabei soll besonders die Rolle der Frau, ihre Ernährungssituation, ihr Bildungsniveau verbessert werden.
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