Lexikon
irische Literatur
1. Die Literatur Irlands in keltischer (d. h. gälischer) Sprache gliedert sich in eine alt- (etwa 800–1100), mittel- (1100–1400) und neuirische Epoche. Die blühende christliche Kultur der altirischen Zeit brachte eine reiche lateinische Literatur hervor; weniger bedeutend ist die Überlieferung in der Volkssprache (religiöse Hymnen). – Dagegen entfaltete sich die mittelirische Literatur zu hoher Blüte. Es entstanden meist Prosafassungen der nationalen Heldensagen, daneben Chroniken und eine sprachmächtige Lyrik. Die neuirische Literatur verliert mehr und mehr an Bedeutung, seit durch die englische Herrschaft das Irische als Umgangssprache verdrängt wurde (18.–19. Jahrhundert).
2. Die Literatur Irlands in englischer Sprache hat durch angloirische Autoren seit Jahrhunderten wesentliche Beiträge zur Weltliteratur geleistet; z. B. J. Swift, W. Congreve, G. Farquhar, L. Sterne, R. B. Sheridan, O. Wilde und G. B. Shaw. Es ist jedoch kaum möglich, diese Autoren aus dem englischen Kulturraum, in dem sie sich selbst beheimatet fühlten, herauszunehmen. Von einer eigenständigen irischen Literatur in englischer Sprache kann man erst seit der „irischen Renaissance“ reden, die in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Ihr geistiger Führer war W. B. Yeats. In der dramatischen Dichtung und in der erzählenden Prosa entstanden zahlreiche bedeutende Werke: Yeats gründete das erste irische Nationaltheater und steuerte selbst einige stimmungsstarke Schauspiele bei, deren traumhafter Handlung irische Sagen zugrunde liegen. Der größte Dramatiker war J. M. Synge, der realistisch-poetische Tragödien und Komödien in irischer Mundart schuf. S. O’Casey und B. Behan verherrlichten den irischen Freiheitskampf; O’Casey kritisierte aber auch die sozialen Verhältnisse in seiner Heimat. Unter den Erzählern war J. Joyce bei weitem der bedeutendste. In den Werken von F. O’Connor, S. O’Faoláin, L. O’Flaherty und C. Toibin findet das moderne Leben Irlands mit seinen sozialen, politischen und religiösen Problemen vielfältigen Ausdruck.
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