Lexikon
schwedische Literatur
Die Geschichte der schwedischen Literatur setzt erst im 13. Jahrhundert ein, da außer einigen Runeninschriften aus dem 4. Jahrhundert keine altschwedischen Sprachdenkmäler erhalten sind. Das früheste Zeugnis schwedischer Literatur im Geist der christlichen Mystik sind die Schriften der hl. Birgitta von Vadstena. Französischer Einfluss verdanken Ritterepen ihre Entstehung, Balladen finden sich in Volksbüchern des 15. und 16. Jahrhunderts Der Reformator und Lutherschüler O. Petri schuf eine Chronik und übersetzte das Neue Testament. Mit O. Rudbeck und Johannes Messenius, der auch Dramen verfasste, erlangte die Geschichtsschreibung Bedeutung. Renaissancepoesie schuf Skogekär Baergbo (17. Jahrhundert), mit dem humanistisch gebildeten Georg Stiernhielm begann die Kunstdichtung in schwedischer Sprache. Volkstümliche Lieder entstanden neben von Frankreich inspirierter Poesie. O. Dalin versuchte schwedische Gegenstücke zum französischen klassizistischen Epos, einflussreich war seine Prosa. Wichtigste Vertreterin der Aufklärung war Anna Maria Lenngren.
Nach der Abdankung König Gustavs IV. Adolfs kam eine national gesinnte Romantik, wenn auch in kurzer Zeitspanne, voll zur Entfaltung: P. D. A. Atterbom schuf Sagenspiele; Gedichte und ein Sagenepos verfasste der schwedische Klassiker E. Tegnér. Der von Schiller beeinflusste E. G. Geijer, der sich später dem Liberalismus zuwandte, und der in der Spätromantik wurzelnde Erzähler und Sozialkritiker C. J. L. Almqvist betonten ebenfalls nationale Elemente. Das Werk des Finnlandschweden J. L. Runeberg wurde finnische Nationaldichtung.
Zum Realismus führte der Lyriker C. Snoilsky. Im Mittelpunkt der kulturellen Umschichtungen am Ende des 19. Jahrhunderts stand der vielseitige, im Naturalismus (wie E. Ahlgren) beginnende, über den Symbolismus zum Expressionismus führende A. Strindberg; neben ihm war der bedeutendste Dramatiker Tor Hedberg. Neuromantik und Neorealismus verflochten sich im Werk V. von Heidenstams, im Schaffen Selma Lagerlöfs und O. Levertins. Der führende Lyriker des Symbolismus war V. Ekelund.
Einflüsse H. Bergsons, S. Freuds, des Symbolismus und Kubismus zeigten sich bei dem Sozial- und Zeitproblematik behandelnden Erzähler der Jahrhundertwende H. Bergmann, dem ironisch-impressionistischen H. Söderberg, dem Kosmopoliten G. Hellström, dem autodidakten Erzähler und Lyriker der Arbeiterbewegung D. Andersson, dem lyrischen Humanisten A. Österling und dem Lyriker B. Malmberg. Der Nobelpreisträger P. Lagerkvist mit seinem Streben nach „vereinfachter Form“ wurde Hauptvertreter des Expressionismus. Die schwedische Literatur des 20. Jahrhunderts gestaltet sich sehr facettenreich, wobei soziale und psychologische Themen bevorzugt im Mittelpunkt stehen, so im soziologischen Naturalismus bei I. Lo-Johannson oder in der pessimistischen Lyrik K. G. Vennbergs. S. Dagermanns Erzählungen sind oft von alptraumhaften Bildern erfüllt, P. O. Sundman bevorzugt den Stil des sachlichen Dokumentarberichts, L. Gustafsson verbindet subtile Sprachreflexion mit dem Sinn für Absonderliches. Weltweit viel gelesene Kriminalschriftsteller sind das Autorenduo M. Sjöwall und P. Wahlöö sowie H. Mankell; von den schwedischen Jugendbuchautoren erwarben sich A. Lindgren und T. Jansson Weltruhm. Zum bedeutendsten schwedischen Dramatiker der Gegenwart entwickelte sich L. Norén.
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