Lexikon
Australien
Erforschung und Kolonialisierung
Einzelne Entdeckungen australischer Küsten durch portugiesische Seefahrer um die Mitte des 16. Jahrhunderts sind sehr wahrscheinlich. Der Holländer Willem Janszoon betrat 1606 australischen Boden. In den folgenden Jahrzehnten unternahmen die Holländer wiederholt Entdeckungsfahrten zur Westküste des Kontinents. 1642–1644 umsegelte Abel Tasman Australien und entdeckte Van Diemen’s Land (Tasmanien). Da der wirtschaftliche Nutzen gering erschien, erlosch das holländische Interesse an Australien bald wieder. 1770 landete der Engländer James Cook an der fruchtbareren Ostküste und nahm sie als Neusüdwales für Großbritannien in Besitz. 1788 gründeten die Briten die erste Sträflingskolonie in der Nähe von Sydney (Botany Bay) und legten damit den Grundstein zur Besiedlung des Erdteils. Bis zur endgültigen Einstellung der Deportationen 1868 wurden zahlreiche weitere Strafkolonien entlang der Küste errichtet. Die insgesamt mehr als 160 000 Häftlinge bildeten das Reservoir billiger Zwangsarbeiter für die Siedler, die ab 1793 freiwillig nach Australien kamen. 1798 entdeckte George Bass die nach ihm benannte Meeresstraße. 1803 umsegelte Matthew Flinders den gesamten Kontinent.
Nach 1810 begann auch die Erschließung des Landesinneren, zunächst entlang der Flussläufe. Zwischen 1844 und 1861 gelang deutschen und britischen Expeditionen die Durchquerung des Kontinents auf unterschiedlichen Routen. Den Entdeckern folgten Siedler und Farmer, die die Ausweitung von Weide- und Ackerbauflächen vorantrieben. Die Erweiterung des Siedlungsraumes ging einher mit einer Vernichtungspolitik gegen die Aborigines. Sie wurden mit Gewalt vertrieben und in das unwirtliche Landesinnere zurückgedrängt.
Großbritannien gründete in der Folgezeit mehrere Kolonien: 1825 Van Diemen’s Land (seit 1853 Tasmanien), 1829 West-Australien, 1836 Süd-Australien; von Neusüdwales wurden 1851 Victoria und 1859 Queensland als selbständige Kolonien getrennt. Große Goldfunde lockten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Strom freiwilliger Siedler in das Land.
Ab 1850 genossen die Kolonien beschränkte Selbstverwaltungsrechte, in deren Folge sie eigene Verwaltungen aufbauten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Wunsch nach einem föderativen Zusammenschluss immer lauter.
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