Lexikon
Psychologie
[
griechisch, „Seelenlehre“
]die im 16. Jahrhundert erstmals von P. Melanchthon so genannte, doch schon bei Platon und Aristoteles entwickelte Lehre von den Teilen (Schichten), Funktionen und Vermögen der Seele (Psyche).
Aristoteles
Aristoteles
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Die Psychologie als selbständige Wissenschaft hat ihre Wurzeln im Empirismus (Assoziationspsychologie, Sensualismus) und in der Aufklärung (Vermögenspsychologie bei C. Wolff u. a.), auch in der „Erfahrungsseelenkunde“ S. Maimons und K. P. Moritz'. Nach der Kritik der Seelensubstanz durch I. Kant sowie der Seelenvermögen durch J. F. Herbart und seine Anhänger (mathematische Psychologie, z. B. M. Drobisch) trat der Gedanke einer „Psychologie ohne Seele“ immer mehr hervor (F. A. Lange, W. Wundt).
H. Rohrachers allgemein gehaltene Definition: „Psychologie ist die Wissenschaft, welche die bewussten Vorgänge und Zustände sowie deren Ursachen und Wirkungen untersucht“, deutet die Schwierigkeit an, alle psychischen Probleme mit einem Begriff zu erfassen. Hinzu kommt der naturwissenschaftliche Aspekt, der nach der Kausalerklärung, und der geisteswissenschaftliche Aspekt, der nach der Sinnerklärung fragt. Von den beiden Zugängen zum Seelischen, nämlich dem Selbstbewusstsein (introspektive Psychologie oder Bewusstseinspsychologie) und der Beobachtung des menschlichen Verhaltens (Verhaltenspsychologie, Behaviorismus, Ausdruckspsychologie), hat der eine seine Grenze am Unbewussten, während der zweite über den Kreis des Psychischen hinaus zur Anthropologie, Soziologie u. a. führt.
naturwissenschaftliche Psychologie
Die Beobachtung experimentell zu sichern, war von Anfang an das Bestreben der naturwissenschaftlichen Psychologie: In Verbindung mit der im 19. Jahrhundert aufblühenden Sinnesphysiologie (J. Müller, H. Helmholtz) und der Gewinnung psychophysischer Messmethoden (Psychophysik) kam es in Deutschland bei W. Wundt zur Begründung der experimentellen Psychologie, die eine große Ausweitung erlebte, z. B. in der Untersuchung des Denkens, des Willens, der bedingten Reflexe (I. P. Pawlow), der Intelligenz (A. Binet) und der Begründung der Faktorenanalyse (C. Spearman). Das Interesse an den individuellen Besonderheiten führte zur Begründung der differentiellen Psychologie (W. Stern). Schließlich wurde aus der Einsicht, dass sich das Psychische nicht in Elemente auflösen und rein summativ zusammenfassen lässt, die Entwicklung der Gestaltpsychologie (M. Wertheimer, W. Köhler, K. Koffka) und der Ganzheitspsychologie (F. Krueger) angeregt.
geisteswissenschaftliche Psychologie
Daneben entstanden die geisteswissenschaftliche Psychologie (W. Dilthey, E. Spranger), die das Psychische vorwiegend unter dem Wertaspekt sah, ferner die Psychoanalyse und Tiefenpsychologie, die das Unbewusste zur Erklärung des Seelischen heranziehen, und die Ausdruckskunde (L. Klages), die vom Ausdruck zum Verständnis charakterologischer Zusammenhänge zu kommen versucht.
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