Lexikon

russische Musik

Die Volksmusik lässt sich bis ins frühe Mittelalter verfolgen; typisch ist die Bewegung der Melodie um einen Zentralton, unperiodische Formgestaltung, reich entfaltete Rhythmik (unter Verwendung unregelmäßiger Taktarten) und der Gebrauch von Volksinstrumenten (Gusli, Bandura, Balalaika). Starken Einfluss gewann die im 10. Jahrhundert aufkommende byzantinisch beeinflusste Kirchenmusik. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts schloss man sich dem Ideal der italienischen Musik an, und erst im 19. Jahrhundert begann die Entwicklung einer selbständigen weltlichen Kunstmusik.
Unter dem als „Vater der russischen Musik“ bezeichneten M. Glinka vollzog sich der Durchbruch zu der von A. N. Serow und A. S. Dargomyschskij fortgeführten Entwicklung einer nationalrussischen Kunstmusik. Diese Bewegung wurde in der Nachfolge weitergeführt durch die Meister der von dem damaligen St. Petersburg ausgehenden, 1860 gegründeten „Neurussischen Schule“, M. A. Balakirew, A. P. Borodin, C. Cui, M. Mussorgskij und N. Rimskij-Korsakow, genannt das „Mächtige Häuflein“; Mussorgskij schuf mit „Boris Godunow“ (1876) eine Nationaloper von Weltrang.
Die „Moskauer Schule“ dagegen schloss sich in ihrem Schaffen der westlichen Welt an, unter ihnen die Brüder N. und A. Rubinstein, P. I. Tschaikowskij und A. K. Glasunow. Bei den Nachfolgern N. Tscherepnin, S. W. Rachmaninow, A. T. Gretschaninow u. a. verwischten sich die Gegensätze. Besonders A. Skrjabin beeinflusste die russische Musik nachhaltig mit seinem sehr verfeinerten Klangempfinden.
Unter den russischen Komponisten der jüngeren Zeit sind besonders zu nennen: A. Mossolow, N. Roslawez, L. Sabanejew, A. Golyschew, A. Lourié. Darüber hinaus wurde I. Strawinsky einer der für die gesamte zeitgenössische Musik bedeutendsten Meister, der im engeren Sinne aber nicht mehr zur russischen Musik gezählt werden kann.
Während der ersten Jahre nach der Oktoberrevolution stand das Schaffen der sowjetischen Komponisten unter dem Einfluss zeitgenössischer westeuropäischer Musikpflege mit den Zentren Leningrad und Moskau. Futuristische Experimente standen neben weitreichenden kulturpolitischen Projekten. Von den 1930er Jahren an vollzog sich die Ausbildung eines offiziellen realistischen Musikstils (Abgrenzung vom sog. Formalismus der westlichen Musik). Komponisten dieser Richtung waren R. Glière, A. I. Chatschaturjan, mit gewissen Einschränkungen auch D. Schostakowitsch und S. Prokofjew. Immer wieder kam es zu Konflikten mit der offiziellen Kulturpolitik.
Seit den 1970er Jahren setzte sich langsam wieder eine liberalere Haltung durch, die Komponisten benutzen inzwischen alle in der westlichen neuen Musik entwickelten Kompositionsrichtungen. Am bekanntesten sind A. Schnittke und E. Denissow.
Vulkan spuckt schwarzen Rauch in den Himmel, Wasser im Vordergrund, Sonne im rechten oberen Bereich.
Wissenschaft

Es fliegt was in der Luft

Feinstaub, Schwefeldioxid und andere Schadstoffe gefährden unsere Gesundheit und Umwelt. Von RALF STORK Eine der ältesten Berufskrankheiten ist die Staublunge (Silikose), die durch das regelmäßige Einatmen von Quarzstaub (SiO2) entsteht. Die Krankheit war bereits im Altertum bekannt und auch im Mittelalter schrieb der legendäre...

Phaenomenal_NEU.jpg
Wissenschaft

Das kenn’ ich doch!

Warum wir manchmal Déjà-vus erleben, erklärt Dr. med. Jürgen Brater. „Déjà vu“ ist französisch und bedeutet „schon gesehen“. Man bezeichnet damit Situationen, in denen man das intensive Gefühl hat, sie schon einmal erlebt zu haben, ohne indes genau sagen zu können, wann, wo und in welchem Zusammenhang. In Studien gaben rund zwei...

Weitere Artikel aus dem Wahrig Herkunftswörterbuch

Weitere Artikel aus dem Bereich Gesundheit A-Z

Weitere Artikel aus dem Vornamenlexikon