Lexikon

Tolerạnz

allgemein
Duldung, Duldsamkeit; die Respektierung der Meinungen, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen anderer. – Die Idee der Toleranz war seit ihrem Aufkommen im europäischen Mittelalter bis in die Neuzeit hinein hauptsächlich eine Frage nach religiöser Toleranz. Thomas von Aquin sah in ihr die Duldung sündigen Verhaltens, der Humanismus setzte Toleranz mit Religionsfreiheit gleich (Nikolaus von Kues, Erasmus von Rotterdam). Ansätze eines modernen Toleranzgedankens zeigen sich bei S. Franck, der die Gleichheit aller Menschen vor Gott heraushob. Mit J. Locke, der im Glauben eine Privatangelegenheit sah und die Trennung von Staat und Kirche forderte, sowie mit J. S. Mill, der für Toleranz vor allem in Fragen moralischer und gesellschaftlicher Normen plädierte, begann die Entwicklung des modernen Toleranzbegriffes als einer vom Staat anzuerkennenden Meinungs- und Gewissensfreiheit, die zur Grundvoraussetzung demokratischer und pluralistischer Gesellschaften wurde.
Hanf
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