Lexikon
deutsche Kunst
Malerei
Die meisten Werke der
ottonischen Wandmalerei
sind verloren; aber die Fresken der Mittelschiffwände der Georgskirche in Oberzell, Reichenau, aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts erlauben Rückschlüsse auf die Farbigkeit und den flächenhaften Charakter der verschwundenen Denkmäler. Ihre reinste Ausprägung fand die ottonische Malerei in den Miniaturen vieler Klosterschulen, die die liturgischen Bücher in Schrift und Bild reich ausstatteten. Das früheste erhaltene Werk der deutschen Tafelmalerei ist das Antependium der Wiesenkirche in Soest (um 1240).Im 14. und noch im 15. Jahrhundert standen sich zwei verschiedene Ausdrucksformen gegenüber: eine höfisch-elegante der schönen Linie und eine natürliche, kraftvolle Richtung mit individuellen Formen und diesseitigem Ausdruck. In der Manesseschen Liederhandschrift (um 1330) wirkt noch das linear bestimmte französische Vorbild, während in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts Diesseitigkeit und Natürlichkeit stärker herausgearbeitet wurden. Zentrum dieser Richtung war Böhmen mit dem Meister von Hohenfurth, Meister Theoderich und dem Meister von Wittingau, der einer der Hauptrepräsentanten des sog. „Internationalen Stils“ um 1400 wurde. Von Böhmen gelangte dieser Stil nach Köln, Westfalen und Hamburg (Meister Bertram, Konrad von Soest, Meister Francke) und an den Oberrhein. In der Spätzeit des Weichen Stils, der einen Höhepunkt des deutschen Tafelbildes brachte, wirkte S. Lochner.
Noch in die Blütezeit der Altarkunst fallen die Anfänge der Druckgrafik, serienweise produziert und an ein anonymes Publikum gerichtet. Diese neue Kunstgattung und die Malerei trugen im Wesentlichen die Entwicklung der deutschen Kunst im 16. Jahrhundert. Bei der Einbürgerung der italienischen Renaissanceformen und -themen lagen rationale Durchformung, neues künstlerisches Selbstbewusstsein, expressiver Überschwang und religiöser Bekenntnisdrang nicht selten im Streit miteinander. Im Zeichen dieser Spannungen stand das Werk von L. Cranach dem Älteren, H. Baldung, H. Burgkmair, M. Grünewald und A. Altdorfer. Am sinnfälligsten wird die Auseinandersetzung der Spätgotik mit den Tendenzen der italienischen Renaissance bei A. Dürer. Folgerichtiger und mit deutlichem Hinweis auf den
Manierismus
vollzog sich der Übergang zur Renaissance
im Werk H. Holbeins des Jüngeren, besonders in seinen Porträts.Die deutsche Malerei des 17. Jahrhunderts unterlag in hohem Maße niederländischen und italienischen Einflüssen. In das Bestreben, bei der Lösung größerer künstlerischer Aufgaben eine illusionistische Gesamtwirkung zu erreichen, wurde neben der Plastik besonders die Deckenmalerei einbezogen. Vor allem in Süddeutschland und Österreich diente sie der dekorativen Auflockerung fester Wandformen (F.-J. Spiegler, F. A. Maulbertsch, J. M. Rottmayr, J. Zick, Brüder Asam). Die von R. Mengs eingeleitete Malerei des
Klassizismus
pflegte vor allem die Landschaft (P. Hackert, W. von Kobell, J. A. Koch) und das Porträt (A. Graff, G. Schick, J. F. A. Tischbein) – immer um Klarheit und Ausgewogenheit bemüht.Die P. von Cornelius, E. Pforr, J. F. Overbeck und J. Schnorr von Carolsfeld suchten mit ihren Bildern Geschichte gegenwärtig zu machen. Vom Realismus beeinflusst malte H. Thoma, in der Tradition des Klassizismus A. Feuerbach.
romantische Malerei
hatte viele Gesichter. P. O. Runge malte beseelte Porträts. K. F. Schinkel, C. D. Friedrich, F. Olivier und C. P. Fohr drückten in ihren Landschaften Größe und Geheimnis der Natur aus. Cornelius, Peter von: Die Wiedererkennung Josephs durch die Brüder
Peter von Cornelius: Die Wiedererkennung Josephs durch die Brüder
Peter von Cornelius: »Die Wiedererkennung Josephs durch die Brüder«. Ausschnitt aus einem Fresko in der Casa Bartholdy in Rom, geschaffen von der Malervereinigung der Nazarener.
© wissenmedia
In der Zeit des
Jugendstils
, dessen Name sich von der seit 1894 in München erschienenen Zeitschrift „Die Jugend“ herleitete, waren München, Dresden, Darmstadt und Wien Kunstzentren. O. Eckmann und P. Behrens waren maßgeblich an der Entstehung einer neuen ahistorischen, unplastischen und unräumlichen Ornamentik beteiligt. Eine führende Stellung in der Kunstwelt Europas brachte Deutschland der Expressionismus
mit den Künstlergruppen „Brücke“ in Dresden (E. Heckel, E.-L. Kirchner, M. Pechstein, K. Schmidt-Rottluff, O. Müller u. a.) und „Der Blaue Reiter“ in München (F. Marc, W. Kandinsky, A. Macke, G. Münter, A. Kubin u. a.). Die vom Expressionismus geweckten Impulse setzten sich in den Kriegs- und Nachkriegsjahren im antibürgerlichen Protest der Surrealisten und Dadaisten (M. Ernst, K. Schwitters, G. Grosz) fort und beeinflussten u. a. M. Beckmann. Im Dienst des Bauhauses standen W. Kandinsky, L. Moholy-Nagy, L. Feininger, J. Itten u. a. Die Kunstpolitik des Dritten Reiches (Verfolgung der „entarteten Kunst“) untersagte vielen Künstlern die Tätigkeit oder zwang sie in die Emigration. Nach dem 2. Weltkrieg dominierte die abstrakte Malerei (W. Baumeister, K. F. Dahmen, H. Hartung, E. Meistermann, E. W. Nay, B. Schultze, F. Winter, Wols u. a.). Die Varianten des Colorfield-painting und der Signalmalerei vertraten W. Gaul, R. Geiger, G. Grützke, K. Klapheck und G. Richter. Auch die Kunst der Grafik und damit der Buchillustration erlebte einen Aufschwung (HAP Grieshaber, H. Janssen und F. Meckseper). Der Beginn der 1980er Jahre brachte eine Wiederbelebung expressionistischer Tendenzen im Werk von G. Baselitz, R. Fetting, D. Hacker, K. H. Hödicke, A. Kiefer, M. Lüpertz, Salomé u. a.In der DDR blieb die Entwicklung der Kunst nach 1945 eng mit den Vorgaben der SED verknüpft. In den 1950er Jahren dominierte der durch Parteibeschluss verordnete sozialistische Realismus, der nach sowjetischem Vorbild den idealisierten Helden propagierte. So entstanden zahlreiche Arbeiterbildnisse, Demonstrationsbilder und Industrielandschaften (B. Kretzschmar, G. Brendel, W. Womacka, R. Bergander u. a.). Nachdem das Konzept des „Bitterfelder Weges“, das eine Verbindung von Berufs- und Laienkunst vorsah, gescheitert war, gewannen in den 1970er Jahren zunehmend Künstler an Bedeutung, deren stilistische Progressivität auch dem politischen Anliegen größere Glaubwürdigkeit verlieh und kritische Stellungnahme nicht ausschloss, wie z. B. B. Heisig, W. Mattheuer, W. Sitte, W. Tübke, die durch die documenta 6 (1977) auch im Westen bekannt und anerkannt wurden.
In den 1990er Jahren stand deutsch-deutsche Malerei im Mittelpunkt des Interesses. Die Ausstellung „Deutschlandbilder“ in Berlin zeigte 1997 die erste gemeinsame Schau mit Kunstwerken der beiden deutschen Nachkriegsstaaten.
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