Lexikon
griechische Literatur
Altgriechische Literatur
In der hellenischen Zeit (etwa 800 v. Chr. bis zu den Perserkriegen 480 v. Chr.) stand zu Anfang das Epos, das an den Fürstenhöfen im Männersaal von Rhapsoden vorgetragen wurde; es erreichte seinen Höhepunkt mit Homers Epos Ilias und mit der Odyssee. Bei Hesiod wurde es Lehrdichtung. Die Lyrik breitete sich von den kleinasiatischen Ioniern aus: die zu Flötenbegleitung gesungene Elegie, die Jambendichtung, zunächst zur Kithara gesungen. Die eigentliche Lyrik ging von Lesbos aus und umfasste Einzelgesang zur Kithara (Alkaios, Sappho, Anakreon) wie auch Chorlyrik (Alkman; in Sizilien und Unteritalien Stesichoros und Ibykos). In der Prosa ist der Fabeldichter Äsop zu nennen.
In der attischen Zeit (480–320 v. Chr.) wurde seit den Perserkriegen Athen der geistige Mittelpunkt Griechenlands. Nach den Anfängen unter Thespis gelangte die Tragödie durch Äschylus, Sophokles und Euripides zur höchsten Blüte; etwa gleichzeitig entwickelte sich die Komödie mit ihrer Zeitkritik durch Aristophanes, Eupolis und Kratinos. In der Lyrik trat die Chorlyrik hervor (Simonides von Keos, Bakchylides, Pindar). In der Prosa begründete in Ionien Herodot die Geschichtsschreibung, Hippokrates die medizinische Literatur. In Attika bedeutete das Geschichtswerk des Thukydides einen Höhepunkt; zu nennen sind weiter Xenophon, Theopompos und Ephoros. Auch die Rhetorik blühte, besonders in Athen (Gorgias, Lysias, Isokrates, Demosthenes, Äschines).
In der hellenistischen Zeit (320–30 v. Chr.) wurde die griechische Literatur aufgrund der Ausdehnung des Alexanderreichs über die Randgebiete des östlichen Mittelmeers zu einer „Weltliteratur“, ihr Mittelpunkt zunächst die ägyptische Hauptstadt Alexandria. Am Anfang der Periode stand eine Blüte der neuen Komödie in Athen mit ihrer lebensvollen Darstellung des Bürgertums (Menander, Philemon). Das Epos hat als Hauptvertreter Apollonios von Rhodos. Größere Bedeutung kam der Elegie und dem Epigramm zu (Kallimachos, Asklepiades von Samos, Melegros). Das Großstadtleben weckte die Sehnsucht nach dem schlichten ländlichen Dasein und begründete die bukolische Dichtung (Theokrit); auch der Mimus mit seinen Szenen aus dem Alltagsleben wurde beliebt (Herondas); in der Prosadichtung kam die Novelle auf. Die Schaffung von Bibliotheken, besonders in Alexandria und Pergamon, förderte die wissenschaftliche Literatur auf vielen Gebieten, bedeutendster Geschichtsschreiber war Polybios.
In der römischen Zeit (30 v. Chr.–6. Jahrhundert n. Chr.) war mit der Eroberung Ägyptens durch Augustus das griechische Sprachgebiet vollständig in das Römerreich einbezogen; immer mehr griechische Schriftsteller wirkten auch in Rom. In der Dichtung sind außer den in der Anthologia Palatina (Heidelberger Handschrift) gesammelten Epigrammen wenig bedeutende Leistungen zu nennen. Die Prosadichtung bildete den Roman aus: Iamblichos, Xenophon von Ephesos, Heliodor, Longos. Bedeutendere Werke liegen auf dem Gebiet der Geschichtsschreibung und der Biografie (Diodoros [1. Jahrhundert v. Chr.], Dionysios von Halikarnassos, Plutarch, Arrianus, Appian [2. Jahrhundert n. Chr.]). Die Redekunst wurde in der 2. Sophistik (Dion Chrysostomos, Aristides, Lukian) gepflegt. Daneben entwickelte sich in zunehmendem Maß eine christliche Literatur.
- Einleitung
- Altgriechische Literatur
- Griechische Literatur des Mittelalters
- Neugriechische Literatur
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