Lexikon

mittellateinische Literatur

das christliche, von Geistlichen für die Bedürfnisse der Kirche, der Klöster oder der Fürstenerziehung geschaffene Schrifttum des europäischen Mittelalters in lateinischer Sprache in Vers und Prosa. Es umfasst Werke aller theologischen Disziplinen, der Geschichtswissenschaft und viele enzyklopädische Werke. Neben der wissenschaftlichen Literatur steht die Dichtung, die besonders biblische Stoffe (Hauptwerk: das Ostergedicht „Paschale Carmen“ des Römers Sedulius) und Heiligenleben darstellte, aber auch Lehrstoff verbreitete (besonders im hohen und ausgehenden Mittelalter), Fabeln in Versen erzählte und Zeiterscheinungen satirisch geißelte.
Neben der Geschichtsprosa läuft eine reiche Kette von Geschichtsepen nach Vergils Muster (z. B. Ekkehard I., Waltharilied; Hrotsvith von Gandersheim, „Gesta Oddonis“), von gedichteten Grammatiken (Alexander de Villa Dei, „Doctrinale“) u. Ä. Lehrwerken. Reich entfaltete sich in kirchlichen Hymnen (Ambrosius von Mailand) und in an Ovid geschulten weltlichen Liedern die Lyrik (Sammlung: Carmina Burana); auch Roman und Novelle wurden von geistlichen Dichtern gepflegt (Gervasius von Tilbury).
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