Lexikon

israẹlische Literatur

das neuhebräische literarischen Schaffen im 1948 gegründeten Staat Israel. Die literarische Entwicklung lief parallel mit der Herausbildung der zionistischen Bewegung. Zunächst standen die hebräische und die jiddische Sprache gleichwertig nebeneinander (Schriftsteller wie Mendele Moicher Sforim u. a. schrieben zweisprachig, wie überhaupt die Mehrsprachigkeit ein Merkmal jüdischen Schrifttums ist). Mit E. Ben Jehuda (* 1858, † 1922) begann die Neuformung der hebräischen Sprache zur Nationalsprache (Iwrit), wie sie heute in Israel gesprochen wird, auf der Basis sakraler Wortkunst in Verbindung mit den Einflüssen moderner Wirklichkeit (westliche Syntax, europäische und arabische Einflüsse auf den Wortschatz). Die Ausformung der Sprache vollzog sich z. T. in Russland (I. Rülf, * 1831, † 1902). Bedeutend für die Prosa wurde U. N. Gnessin (* 1879, † 1913). Schon Perez Smolenskin (* 1842, † 1885) vertrat die Ansicht, dass nur durch das Festhalten an der hebräischen Sprache sich ein Nationalbewusstsein formen könne. 1908 ff. erschien in Berlin das „Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache“, 1949 ff. in Jerusalem die „Encyclopaedia Hebraica“.
Die Themen der Literatur von der Jahrhundertwende bis 1948 waren vor allem Heimkehr, Pioniertum, der „Staat unterwegs“; ausgeprägt ist bei der älteren Generation das Bewusstsein von der Überlagerung verschiedener erlebter Kulturtraditionen; Schwerpunkte waren Russland (Entstehung der israelischen Arbeiterbewegung), Osteuropa und Amerika. Zum Teil siedelten die Schriftsteller schon in Israel: seit 1929 R. Avinoam, seit 1949 A. Regelson u. a.; mit jeder Aliya (Einwanderungsbewegung) kamen viele Schriftsteller ins Land. J. C. Brenner (* 1881, † 1921, ermordet, zusammen mit seinem Dichterkollegen Z. Schatz) schilderte das Leben russischer Juden und, seit 1909 in Tel Aviv lebend, die jüdische Pionierbewegung. A. Ginzberg (Achad Haam) wurde Wegweiser der bürgerlichen Richtung des Zionismus. Glaubensprobleme des modernen Menschen und die Lebensformen jüdischer Gemeinden in Galizien, Deutschland und Israel in den letzten 50 Jahren schilderte der bedeutende Epiker S. J. Agnon (Nobelpreis 1966), der Chronist Jerusalems. Vertreter der Kibbuzdichtung ist J. Rabinow; der Begriff Kibbuz stammt von dem seit 1920 in Israel lebenden J. Jaari; M. Smilanski (* 1874, † 1953) beschrieb die Entstehung des jüdischen Dorfs.
Nach dem 1. Weltkrieg entstand in Tel Aviv die Gruppe der Modernisten um A. Schlonski, den formstarken Schilderer modernen Stadtlebens; sein Schüler ist der sprachschöpferische, von W. W. Majakowskij beeinflusste Symbolist N. Altermann (* 1910, † 1970). Eine der bedeutendsten Dichterinnen wurde die 1935 eingewanderte Leah Goldberg. Internationalen Ruf als Satiriker gewann E. Kishon. Zu den wichtigsten Erzählern der israelischen Gegenwartsliteratur gehören u. a. A. Oz, D. Grossman und M. Shalev. Große Publikumserfolge erzielen die Krimis von Batya Gur, die psychologischen Romane Z. Shalevs oder die Kurzgeschichten von Etgar Keret (* 1967).
Das Theater trat hinter Prosa und Vers zurück (Lesedramen). Das erste hebräische Ensemble, das Habima-Theater, hatte seinen Sitz 1916–1925 in Moskau, ließ sich nach Tourneen 1928 in Tel Aviv nieder und ist seit 1948 Staatstheater. Von den Theaterschriftstellern sind u. a. zu nennen: J. D. Berkowitz (* 1885, † 1967), der Boulevarddramatiker J. Mossinsohn mit seinem „Theater der Jungen“, N. Schacham und J. Sobol.
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