Lexikon

Nietzsche

Nachwirkung

Nietzsches Denken markiert einen Bruch mit der traditionellen europäischen Philosophie. Er zweifelt die Vorstellung eines absoluten „Ichs“, das das Sein und die Erkenntnis bestimmt, an und zeigt das Unbewusste und Irrationale im menschlichen Denken und Handeln auf. Es existiert keine Wahrheit an sich; nicht mehr das denkende Subjekt, sondern das Fühlen und Wollen steht im Mittelpunkt der philosophischen Auseinandersetzung. Nietzsches nihilistische, polemisch-scharfe Analysen nahmen großen Einfluss auf die Geistes- und Kulturgeschichte, insbesondere auf Literatur und Philosophie des 20. Jahrhunderts (u. a. bei T. Mann, S. George, G. Benn, E. Jünger, M. Heidegger, M. Horkheimer, T. Adorno). Nach seinem Tod wurden seine Werke von nationalistisch-konservativen Interpretationen weltanschaulich und politisch vereinnahmt. Besonders der Nationalsozialismus berief sich, Nietzsches Gedanken von „Herrenmoral“ und „Sklavenmoral“ zugrunde legend, hinsichtlich seines Rassismus und Antisemitismus auf den Philosophen. In der DDR wurde Nietzsche daher bis in die 1980er Jahre hinein kaum rezipiert, während im Westen die philologisch-philosophische Auseinandersetzung in den 1960er Jahren begann (erste kritische Gesamtausgabe 1967ff.). Heute gilt Nietzsche als der wichtigste deutsche Philosoph des ausgehenden 19. Jahrhunderts und als Klassiker der Moderne.
  1. Einleitung
  2. Griechenland, Schopenhauer und Wagner
  3. Nihilismus Die Entwertung aller Werte
  4. Nachwirkung
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