Lexikon
Renaissance
[rənɛˈsãs; die; französisch, Wiedergeburt]
italienisch RinascimentoLiteratur
Das neue Lebens- und Weltgefühl der Renaissance und die Ideen des Humanismus fanden auch in der Literatur ihren Niederschlag. Es entwickelte sich einmal ein gelehrtes neulateinisches Schrifttum, dann aber vor allem eine volkssprachliche Dichtung, die bestrebt war, mit den Werken der Antike zu wetteifern. In Italien bildeten F. Petrarca, G. Boccaccio, L. Ariosto und T. Tasso den Höhepunkt der Renaissancedichtung. Die französischen Vertreter sind F. Villon, F. Rabelais, M. E. de Montaigne und die Dichtergruppe der Plejade. Die wichtigste Gattung in Spanien ist der Schelmenroman; weltbekannt ist Cervantes’ „Don Quijote“. In England brachte die Renaissance einen Höhepunkt in der Entwicklung des europäischen Dramas; die überragende Gestalt des sog. Elisabethanischen Zeitalters ist Shakespeare.
Renaissance (Literatur) (Kulturtabelle).sgm
| Autoren | Werke |
| Dante Alighieri (1265–1321) | La Commedia / Divina Commedia [Die göttliche Komödie] (1313–1321; erschienen 1472) |
| Giovanni Boccaccio (1313–1375) | Il Decamerone (1348–1353) |
| Geoffrey Chaucer (1340–1400) | Canterbury Tales (1387–1400; erschienen 1478) |
| Garci Ordóñez (auch Rodríguez) de Montalvo (um 1430–vor 1505) | Amadís de Gaula [Amadisroman] (um 1492, erschienen 1508) |
| Sebastian Brant (1457–1521) | Das Narrenschiff (1494) |
| Niccolò Machiavelli (1469–1527) | Il Principe [Der Fürst] (1513; erschienen 1532) |
| Ludovico Ariosto (1474–1533) | Orlando furioso [Der rasende Roland] (1516) |
| Sir Thomas More (Morus) (1477–1535) | Utopia (1516) |
| Martin Luther (1483–1546) | Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520); An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung (1520); Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche (1522); Bibelübersetzung (1534) |
| François Rabelais (1494–1553) | Pantagruel (1532); Gargantua (1534) |
| Hans Sachs (1494–1576) | Meisterlieder, Schwänke, Bühnenspiele; Der fahrende Schüler im Paradies (1550) |
| Pierre de Ronsard (um 1524–1585) | Oden (1552); Elegien (1565); Sonett: Les amours des Cassandre (1552) |
| Michel E. de Montaigne (1533–1592) | Essais (1570–1588, erschienen 1580, 1582 und 1588) |
| Torquato Tasso (1544–1595) | La Gerusalemme liberata [Das befreite Jerusalem] (1575); Aminta (1573); Rinaldo (1562) |
| William Shakespeare (1564–1616) | Romeo und Julia (1595); Hamlet (1601); König Lear (1605); Macbeth (1608); Sonette (1609) |
| Volksbücher | Till Eulenspiegel (1515); Historia von D. Fausten (1587); Schildbürger (1598) |
Während in den erwähnten Ländern die Literatur der Renaissance als eine mehr oder weniger geschlossene Epoche angesehen werden kann, ergibt die deutschsprachige Literatur kein einheitliches Bild. Die ersten Ansätze einer deutschen Renaissancedichtung (z. B. Johannes von Tepl, „Der Ackermann aus Böhmen“) wurden durch die Glaubensstreitigkeiten abgebrochen und gingen in humanistische Streitschriften über, so dass Reformation und Humanismus die deutschen Spielarten der europäischen Renaissance geblieben sind.
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