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Raus aus ... Frankfurt

Frankfurt am Main ist nicht die liebste Großstadt der Deutschen, ihrer Umgebung schreibt man auch nicht gerade den allerhöchsten Freizeitwert der Bundesrepublik zu. Einheimische sehen das jedoch anders. Denn auch rund um Frankfurt gibt es Natur, und auch eifrige Banker haben schöne Möglichkeiten, ein paar Tage blau zu machen – im Grünen.
Jutta Mlnarschik

Einmal rundherum

Saalburg
shutterstock.com/anweber
„Wie eine Lebensader durchzieht er die Stadt – zum Durchatmen, Luft holen und Abstand gewinnen“, heißt es auf der Website der Stadt Frankfurt, und „das Tollste für zwischendurch“ sagen auch echte Frankfurter zum GrünGürtel, einer locker zusammenhängenden Grünfläche in 18 verschiedenen Landschaftsbildern. Mit etwa 70 Kilometern Länge legt er sich einmal rund um die Bankenstadt. Ein Wander- und Radweg führt durch Wälder und Streuobstwiesen, über Sanddünen und Äcker, vorbei an Flüssen und Weihern. Seit 1994 ist der GrünGürtel Landschaftsschutzgebiet, die Vereinten Nationen zeichneten ihn 1996 als gutes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung aus.

Stadtwald, Berger Rücken und Niddatal, Schwanheimer Düne oder Lohrberg, der 185 Meter hohe Hausberg Frankfurts, sind bekannte Highlights. Am Lohrberg wird dank des warmen Mikroklimas sogar Wein angebaut, und bei einem Viertele auf der Aussichtsterrasse der historischen Lohrberg-Schänke (gerade gründlich saniert und neu eröffnet; www.lohrberg-schaenke.de) gewinnt man eine ganz andere – wirklich schöne – Sichtweise auf die City.

Tipp: Der aktuelle Führer „Kreuz und quer durch den Frankfurter GrünGürtel“ enthält Rad- und Wandertouren plus viele Tipps und Hintergrundwissen.

 

Wein und Wandern

Im Westen, außerhalb der Stadt, wartet der Rheingau auf Wanderer und Radfahrer, Weinliebhaber und Kulturinteressierte (www.rheingau.de). Auf den Rieslingrouten kann man auf 70 Kilometern die Landschaft entdecken und feuchtfröhliche Weinproben machen (Hauptsache, der Fahrer bleibt trocken). Besonders empfohlen sei die Domäne Schloss Johannisberg auf gleichnamigem Hügel – das erste Riesling-Gut der Welt. Auf dem Rheinsteig könnte man 320 Kilometer auf wunderschönen Wegen bis Bonn wandern – aber ein bisschen hin und her spazieren genügt vielleicht auch.

Trubel gefällig? Das große Rheingau Musik Festival feiert dieses Jahr (23.06.–01.09.2012) sein 25. Jubiläum. Doch auch unzählige kleinere Events finden den ganzen Sommer über statt. Wer es ruhiger mag, kann in Burgen und Schlössern, Klöstern, Kirchen und Mühlen unglaublich viel Geschichte entdecken.

Und wenn’s mal regnet: Der prächtige Jugenstilbau der Kaiser-Friedrich-Therme im Kurort Wiesbaden bietet ein Dach überm Kopf, drinnen wird’s freilich trotzdem nass. Von Tepidarium bis Sudatorium, vom historischen Kaltwasser-Schwimmbecken bis zum Thermalsitzbecken lässt es sich hier königlich – Verzeihung: kaiserlich – schwimmen und entspannen.

 

In die Berge

Sie wollen höher hinaus? In 20 bis 40 Minuten ist man aus Frankfurts Zentrum sogar ohne Auto, mit S-Bahn oder Regionalzug, in den Bergen: im Taunus. Oberursel, Kronberg oder Königstein sind Ausgangspunkte für tolle Wanderungen, der große Feldberg – mit 878 Metern der höchste Berg dieses Mittelgebirges – ist ganz in der Nähe. Im Winter kann man Schlitten fahren, im Sommer durch urige Natur spazieren. Für die Rast: Südwestlich von Königstein bietet der Hof Gimbach in Kelkheim Bauernleben pur: Pferde und Schottische Hochlandrinder zum Bestaunen, eine schöne Gartenwirtschaft unter Kastanienbäumen mit einer epischen Kuchentheke und Kinderspielplatz in Sichtweite. Oder, nur wenige Kilometer entfernt: der Landgasthof Rote Mühle in Bad Soden, ein vor Geschichte triefendes Gebäude und gemütlich schlichtes Lokal als Ausgangspunkt für schöne Wanderungen rund um den Rodeberg. Spannender Spaß für Kinder: die Entdeckung des Römerkastells und des Limes bei Bad Homburg – oder eine Radtour auf dem Limeserlebnispfad, auf dem man auf rund 30 Kilometern Natur und Geschichte zugleich erleben kann.

 

Für Schnell-Entspanner

Porträt Goethes in der Campagna von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
The Yorck Project
Last but not least: Wer für Ausflüge ins Umland keine Zeit, aber Lust auf eine Auszeit hat, nimmt Platz unter Kastanienbäumen in der Frankfurter Mini-Oase Gerbermühle. Diese alte Mühle mit großem Sommergarten rühmt sich eines höchst prominenten Gastes: Johann Wolfgang von Goethe war ein Freund des Frankfurter Bankiers Johann Jakob von Willemer, der die Mühle 1785 gepachtet und zum Sommersitz umgebaut hatte und hier häufig zu Besuch. Ach ja: An der Gerbermühle kommt übrigens auch vorbei, wer auf dem GrünGürtel unterwegs ist.

Da sage noch einer, Frankfurt habe keinen Freizeitwert ...

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