Lexikon
Frankreich
Mittelalter
Obwohl die Franzosen ihre Geschichte mit Karl dem Großen (Charlemagne) beginnen lassen, kann man von einer eigenständigen westfränkischen Geschichte erst seit der endgültigen Teilung des Frankenreichs von 888 sprechen. Von den Normannen bedrängt, geriet das Königtum in eine Krise: Karl der Einfältige wurde bereits zu Lebzeiten seines Vorgängers Odo zum König gewählt und nach Odos Tod 898 im ganzen Reich anerkannt. Er bannte die Normannengefahr durch die Verleihung der Normandie als Herzogtum an den Normannenführer Rollo (911). 987 ging die Herrschaft von den westfränkischen Karolingern auf die Kapetinger über. Zwar sicherte Hugo Capet die Erblichkeit, doch blieb die Macht der Kronvasallen erhalten. 1154–1214 war ganz Westfrankreich in englischem Besitz. Philipp II. August konnte die Engländer besiegen und das Fundament für einen starken französischen Einheitsstaat legen, der neben der politischen auch die geistige Führung in Europa errang. Zwei Gefahren bedrohten allerdings diese neue Machtstellung: die Anerkennung der englischen Lehnsherrschaft in der Guyenne und der Ausbruch des Machtkampfs mit dem Papsttum unter Philipp IV. dem Schönen und Papst Bonifatius VIII. Philipp ließ Bonifatius 1303 in Anagni gefangen nehmen und nach dessen Tod den Erzbischof von Bordeaux zum Papst (Klemens V.) wählen, der seinen Sitz in Avignon nahm.
Nach dem Ende der Kapetinger löste ein Thronfolgestreit zwischen den französischen Valois und dem englischen König Eduard III. 1337 den Hundertjährigen Krieg aus, der mit längeren Unterbrechungen bis 1453 dauerte. Mit Unterstützung der Jungfrau von Orléans (Jeanne d’Arc) gelang es Karl VII., die Engländer aus Frankreich zu verdrängen und den Nationalstaat zu einen.
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