Lexikon
Realịsmus
[lateinisch]
Literatur
1. als Stilbegriff die getreue Wiedergabe der Wirklichkeit mit einfachen, dem Gegenstand angemessenen Mitteln, im Gegensatz zur idealistischen Erhöhung und zur romantischen Auflösung. Der Naturalismus unterscheidet sich vom Realismus durch die kritisch-pessimistische Auswahl der (realistisch geschilderten) Wirklichkeit.
2. als Epochenbegriff der sog. poetische Realismus, die Literatur-Epoche zwischen Romantik und Naturalismus in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit weltoffenem Blick wird die Wirklichkeit dargestellt, ohne dass der Dichter Partei ergreift oder eine Wertung vornimmt. Die Bedingungen des Realismus sind die Entwicklungen in Naturwissenschaften, Technik, Verkehr und Industrialisierung. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen alltäglichen Verhältnissen. Entsprechend seiner Tendenz zur Detailschilderung erreicht der Realismus seine Höhepunkte vor allem in den erzählenden Gattungen.
Frühe deutsche Realisten sind J. P. Hebel, J. Gotthelf, C. D. Grabbe und G. Büchner; realistische Züge tragen auch die Dichter der sog. Biedermeierzeit: F. Grillparzer, K. L. Immermann, A. von Droste-Hülshoff und A. Stifter. Die großen Erzähler sind G. Keller, T. Fontane, T. Storm und C. F. Meyer, der Meister der historischen Novelle; dann folgen, stark der Heimat verbunden, F. Reuter und O. Ludwig, der den Begriff des poetischen Realismus prägte; etwas später W. Raabe und M. von Ebner-Eschenbach. Als bedeutendster Dramatiker des Realismus gilt F. Hebbel. Die Lyrik des Realismus gipfelt in den Schöpfungen von A. von Droste-Hülshoff, T. Storm und C. F. Meyer.
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