Lexikon
französische Kunst
Malerei
Buch- und Landmalerei in vielfältigen regionalen Ausprägungen sind kennzeichnend für die romanische Malerei. In der Gotik nahm die Glasmalerei auf den durchfensterten Flächen der Kirchenwände weitgehend den Platz der Wandmalerei ein (Chartres, Bourges, Ste-Chapelle in Paris).
Flämische und italienische Einflüsse formten die höfische Malerei des 14. Jahrhunderts, deren Hauptzentren Paris, Dijon, Bourges und Avignon waren. Daraus entwickelte sich um 1400 der sog. „internationale Stil“, dessen grazile Eleganz im 15. Jahrhundert allmählich einem bürgerlichen Realismus wich, immer noch von der italienischen und flämischen Malerei beeinflusst. Die Schule von Fontainebleau nahm Anregungen des italienischen Manierismus auf, wie Italien auch im Barock die Entwicklung der französischen Malerei beeinflusste. Die beiden bedeutendsten Maler, die Frankreich im 17. Jahrhundert hervorbrachte, N. Poussin und Claude Lorrain, lebten lange in Rom und erlangten als Landschaftsmaler und Wegbereiter des Klassizismus Weltruhm. Neben ihnen ragen G. de La Tour, P. de Champaigne, H. Rigaud und C. Lebrun hervor. Die Bildnisse, Schäferszenen und galante mythologische Darstellungen von J.-A. Watteau, N. Lancret, F. Boucher und J. H. Fragonard machten die französische Malerei im Rokoko zu einem Inbegriff kultivierter Lebenskunst. J.-B.-S. Chardin, einer der besten Koloristen und Stilllebenkünstler des 18. Jahrhunderts, bevorzugte unter dem Einfluss der niederländischen Genremalerei Themen aus der Welt des Pariser Bürgertums. Als Gegenbewegung zum Barock und Rokoko entstand um 1785 der revolutionäre Klassizismus J. L. Davids. Die klassizistische Bildform, von P.-P. Prud’hon vorbereitet und von David und J. A. D. Ingres großartig verwirklicht, zeigt lineare Festigkeit und kühle Farbgebung. Im Zuge der romantisch-dramatischen Szenendarstellung wurde diese Strenge aufgegeben (T. Géricault, E. Delacroix, G. Courbet).
Um 1850 pflegte die Schule von Barbizon eine schlichte, stimmungsvolle Landschaftsmalerei (paysage intime). J. F. Millet verband die Idylle mit einer Heroisierung des bäuerlichen Menschen. Die gesellschaftssatirischen Arbeiten H. Daumiers, besonders die grafischen, waren durch ihre stark expressiven Züge wegbereitend für die Ausdruckskunst des 20. Jahrhunderts. Als Reaktion auf die Akademiemalerei setzte sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts der Impressionismus durch (E. Degas, E. Manet, C. Monet, C. Pissarro, A. Renoir, G. Seurat, P. Signac). Der Symbolismus hat seine hervorragendsten Vertreter in G. Moreau und O. Redon.
Den frühen deutschen Expressionisten verwandt, kamen die Fauves unter H. Matisse zu einer Steigerung des Farbausdrucks. Eigene Wege gingen G. Rouault und R. Dufy, nachdem 1906/07 der Kubismus alle herkömmlichen Bildauffassungen revolutioniert und mit Werken von P. Picasso und G. Braque eine Entwicklung eingeleitet hatte, die, anknüpfend an die flächige Malweise P. Cézannes, folgerichtig zur Formzerlegung gelangte. Aus der analytischen Methode des Kubismus entwickelte R. Delaunay die Farb- und Lichtarchitektur seines Orphismus. F. Léger, anfangs ebenfalls vom Kubismus angeregt, variierte in monumentalen Kompositionen einen aus der Maschinenwelt abgeleiteten funktionalistischen Stil. R. Bissière, A. Manessier, A. Masson, P. Soulages, N. de Stael und H. Hartung repräsentieren die abstrakte Richtung, die durch die Vertreter des sog. abstrakten Expressionismus an Wirkungsbreite gewann. 1960 entstand die Gruppe der Nouveaux Réalistes (Y. Klein, M. Raysse, D. Spoerri); die Spurensicherung ist durch die quasiarchäologischen Modellbauten von A. und P. Poirier vertreten. Abstrakte und konzeptuelle Kunst standen in den 1970er Jahren in der Malerei im Vordergrund. In den 1980er Jahren setzte sich in Frankreich parallel zu den „Neuen Wilden“ in Deutschland eine Richtung der figurativen Malerie durch (u. a. J.-C. Blais). Seit den 1990er Jahren stehen auch in Frankreich die neuen Medien und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten im Mittelpunkt der Kunst.
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