Lexikon
Film
[englisch Häutchen]
Geschichte nach dem 2. Weltkrieg
Aus dem Geiste des Widerstands gegen den Faschismus erwuchs in Italien nach dem 2. Weltkrieg der Neorealismus. Die ihm verpflichteten Regisseure (u. a. R. Rossellini, V. de Sica, F. Fellini) konzentrierten sich auf die sozialkritische Darstellung gesellschaftlicher Unzulänglichkeiten.
Trotz zum Teil restaurativer Tendenzen entstanden unter Ausnahmebedingungen oder in kleineren Ländern in den 1950er Jahren bedeutende Werke. Filme von Rang gelangen so unterschiedlichen Regisseuren wie I. Bergman, R. Bresson, A. Hitchcock, E. Kazan und A. Kurosawa. Mit dem Einsetzen der sogenannten Tauwetterperiode erhielt die Filmproduktion in den Ostblockstaaten neuen Auftrieb. Besonders der polnische Film entwickelte ein künstlerisch überragendes Niveau (A. Wajda). Die Tschechoslowakei und Jugoslawien verschafften sich durch Puppen- und Zeichentrickfilme internationales Ansehen. Im japanischen Film konnten sich neben A. Kurosawa vor allem K. Mizoguchi und Y. Ozu profilieren. In Indien gelang das Satyajit Ray.
In der Bundesrepublik Deutschland reagierte die Filmwirtschaft der 1950er Jahre mit der Produktion von leichter Unterhaltungsware (Heimat- und Schlagerfilme) auf das Bedürfnis weiter Bevölkerungskreise, die Erinnerung an NS-Diktatur und Krieg zu verdrängen. Der DDR-Film war von Anfang an den Zwängen eines totalitären Regimes ausgesetzt.
Ende der 1950er und zu Beginn der 1960er Jahre setzte die französische Nouvelle Vague mit den Hauptprotagonisten C. Chabrol, J. L. Godard, L. Malle, A. Resnais und F. Truffaut die Distanzierung vom traditionellen Erzählkino fort. Damit war auch eine Veränderung der Produktionsbedingungen verbunden. Die Funktionen von Autor, Regisseur und häufig auch Produzent lagen in einer Hand, so dass die Filme in stärkerem Maß Werke der einzelnen Persönlichkeiten werden konnten (Autorenfilme). In Großbritannien und den USA erreichten das Free Cinema (z. B. K. Reisz) und das New American Cinema (R. Altman, J. Cassavetes, F. F. Coppola) die künstlerische Überwindung von Marktzwängen.
Dass auch unter den Bedingungen diktatorischer Herrschaft Werke von hohem künstlerischen Rang entstehen konnten, zeigte in der UdSSR beispielhaft A. Tarkowskij, dessen Filme in symbolhafter, komplexer Verschlüsselung die Verflachungen des sozialistischen Realismus aufhoben.
Ausgehend von den künstlerischen Impulsen des Neuen Deutschen Films (A. Kluge, J.-M. Straub u. a.) der 1960er Jahre entfaltete sich das Kino in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1970er Jahre mit unterschiedl. Erzählweisen, Themen und Genres. R. W. Fassbinder, W. Herzog, V. Schlöndorff und W. Wenders konnten sich auch international Reputation verschaffen. Gegen die Reglementierungen der SED-Diktatur entwickelten Regisseure wie F. Beyer und K. Wolf in der DDR eigene künstlerische Ansätze.
In den USA wurde die Kommerzialisierung des Kinos konsequent weiterbetrieben. G. Lucas, S. Spielberg u. a. perfektionierten den unterhaltenden illusionistischen Austattungsfilm. Einen eigenständigen künstlerisch orientierten Stil entwickelten daneben u.a. W. Allen und M. Scorsese. Seit Mitte der 1980er Jahre zeigte Hollywood neue Tendenzen in der Filmsprache. Von Lakonismus geprägte Erzählformen (z. B. bei J. Jarmusch) und neue Formen der Montage und Dramaturgie (Q. Tarantino) sowie das ironische Überschreiten von Gattungsgrenzen (Brüder Coen) zeigten die kreativen Potenzen des US-amerikanischen Kinos, dessen marktwirtschaftliche Dominanz auch Ende der 1990er Jahre ungebrochen war, wie der weltweite Erfolg des Films „Titanic“ von J. Cameron eindrucksvoll bewies.
Der europäische Film erhielt neue künstlerische Impulse u. a. durch P. Almodóvar, T. Angelopoulos, M. Haneke, P. Greenaway, K. Kiéslowski, M. Leigh L. von Trier (Manifest Dogma 95) u. a.
In Deutschland waren in den 1990er Jahren so unterschiedliche Regisseure wie P. Adlon, D. Buck, D. Dörrie und T. Tykwer erfolgreich. R. Emmerich und W. Petersen konnten sich auch in Hollywood durchsetzen. 2007 wurde der Film „Das Leben der Anderen“ von F. Henckel von Donnersmarck mit einem Oscar ausgezeichnet.
Außerhalb Europas und der USA zeigten u. a. Filme von Y. Chahine, Chen Kaige, Hou Hsiao-hsien, A. Kiarostami, Takeshi Kitano, M. Makhmalbaf, M. Sen, F. Solanas, Wong Kar-wai und Zhang Yimou hohes künstlerisches Niveau.
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